Als ich zum ersten Mal den Gedanken hatten, auf diesem Blog eine Rubrik dem Thema „kinderfrei leben“ zu widmen und meine Erfahrungen dazu zu teilen, war mein erster Gedanke: “Bin ich eigentlich bekloppt?! Auf gar keinen Fall!!”  

Und das nicht nur, weil ich es schwierig war, für das Thema einen Namen zu finden. Im englischen gibt es das schöne „childfree by choice“; ich wollte aber einfach keinen englischen Begriff nutzen. Die erste Herausforderung war also, eine Übersetzung zu finden, die nicht nach Bürokratendeutsch klingt 😉 Bewusste Kinderfreiheit? Bewusst gewählte Kinderlosigkeit? Naja…  Ich hab mich dann für „kinderfrei leben“ entschieden und mich drauf besonnen, dass ja vor allem die Inhalte zählen.

Aber noch bevor ich mich fragte, unter welchem Begriff ich das Thema fassen will, fragte ich mich: Ist es eine gute Idee, über das Thema „kinderfrei leben“ online zu schreiben?

Warum stellte ich mir diese Frage?

  • … weil es sich manchmal so anfühlt, als sei ich der einzige Mensch ohne Kinderwunsch auf diesem Planeten – wen sollte das also interessieren? Außerdem macht das irgendwie niemand – zumindest nicht in Deutschland – also scheint es wohl wirklich kein Interesse zu geben. 
  • … weil ich von Anfang an davon ausgegangen bin, dass ich vermutlich angefeindet werde, wenn ich mit dem Thema sichtbar werde. Denn in den Köpfen einiger Menschen scheint es nach wie vor so zu sein, dass die Frau offenbar EINE ganz bestimmte “Funktion” hat (Kinder kriegen) und wenn das nicht erfüllt wird, dann “kann man da schon mal was sagen”.  
  • … weil es ein sehr persönliches Thema ist.

Warum mache ich das hier trotzdem? 

Vor allem, weil die oben genannten Punkte keine Gegenargumente sind, sondern eher dafür sprechen, offen und öffentlich über das Thema zu reden und sich mit euch da draußen auszutauschen. 

  • … weil ich selbst schon auf der Suche nach einer solchen Seite war oder einem Austausch mit anderen. Eben weil es immer noch schwer ist, Gleichgesinnte zu finden, die das Thema nachvollziehen können. Und weil ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass ich wirklich die einzige bin, die einen Austausch zu diesem Thema vermisst und gerne etwas darüber lesen möchte, was andere Menschen erleben oder warum sie für sich diese Entscheidung treffen und wie Menschen ihr Leben jenseits des klassischen Modells so leben. 
  • … weil es mir EINFACH TOTAL DERBE AUF DEN KEKS GEHT, DASS SICH MENSCHEN IMMER NOCH FÜR DIESE ENTSCHEIDUNG RECHTFERTIGEN MÜSSEN, auf Unverständnis stoßen und sich blöde Sprüche anhören müssen. Wenn ihr das hier lest, dann wisst ihr vermutlich aus eigener Erfahrung, wovon ich rede und wie anstrengend und herabwürdigend das manchmal sein kann, sich schon wieder sowas anhören zu müssen wie “Was ist denn, wenn du das bereust?”, “Findest du das nicht total egoistisch?” usw. Allein die Befürchtung, öffentlich für das Thema angefeindet zu werden, ist für mich also Grund genug, erst recht damit rauszugehen. 
  • … weil ich denke, dass es anderen helfen kann, genau diese persönlichen Erfahrungen zu teilen. Weil ich hoffe, dass dadurch einige unter euch das Gefühl haben „Hey, ich bin mit dieser Entscheidung und meinen Fragen nicht alleine – cool!“

Ich werde also hier mit euch – neben anderen Themen – meine Erfahrungen und Gedanken zum Thema „kinderfrei leben“ teilen und freue mich, wenn ihr mir hier oder bei Instagram ein paar Worte dalasst: Was sind eure Erfahrungen, Ergänzungen, andere Ansichten und Sichtweisen, Themenvorschläge, Fragen …? Wie lebt ihr euer Leben? Geht ihr offen damit um, dass ihr euch für ein Leben ohne Kinder entschieden habt? 

Ich freu mich auf den Austausch mit euch!