Im ersten Teil der Beitragsreihe rund um das Thema „Wie sage ich es meinem Umfeld, dass ich keine Kinder möchte?“ ging es um die Frage: (Wann) Solltest du überhaupt über das Thema reden? Bzw. ist jetzt gerade der richtige Zeitpunkt? 

Wenn du dich entschieden hast, dass du deinem Umfeld davon erzählen möchtest, dann ist der heutige Beitrag dir hoffentlich eine kleine Hilfe.  Denn ich finde: Einfach so in ein Gespräch zu stolpern – das kann auch nach hinten losgehen und im schlimmsten Fall zu Missverständnissen oder Streitigkeiten führen. Nimm dir also gerne kurz Zeit für eine kleine mentale Vorbereitung anhand der folgenden vier Fragen. Los geht’s!

1. Was ist der Gesprächsrahmen und wieviel Gewicht willst du dem Thema geben?

Hast du dir Gedanken darüber gemacht, in welchem Rahmen du das Thema ansprechen willst? Du kannst natürlich ein großes Dinner mit der ganzen Familie anberaumen. Doch mach dir bewusst: Wenn du ein großes, offizielles Ereignis aus der Verkündung machst, gibst du der Information auch in den Augen deines Umfelds ein großes Gewicht. 

Natürlich kann es sich auch super anfühlen, nach vielen Jahren des „Wann ist es denn soweit?“ einen Sektempfang zu veranstalten, um ein für allemal mit dem Thema aufzuräumen. Wenn sich das für dich richtig anfühlt: Go for it! 

Vielleicht möchtest du aber gar nicht, dass das Thema soviel Aufmerksam bekommt. Weil es für dich selbst  gar nicht so großes Ding ist, sondern einfach eine Entscheidung unter vielen. Dann solltest du dir überlegen, ob du es beiläufiger fallen lassen möchtest. Einfach dann, wenn es das nächste Mal ins Gespräch passt oder das Thema darauf kommt oder es sich anbietet. 

Ich selbst habe für mich die Erfahrung gemacht, dass gerade diese beiläufige Formulierung oft ziemlich gut hingenommen und nicht hinterfragt wurde.

Wie du siehst, hängt mit dem Rahmen auch die Frage zusammen:

2. Wie willst du es sagen und welchen Aspekte möchtest du betonen?

Die Frage ist zuerst wieder: Was genau willst du eigentlich sagen und möchtest du dem Gegenüber deine Gründe mitteilen? Dazu bist du natürlich nicht verpflichtet.

Wenn du das Thema nicht nur beiläufig ansprechen möchtest, kann es helfen, NICHT direkt mit dem Satz „Übrigens, ich will keine Kinder!“ ins Haus zu fallen. Denn: Dein Gegenüber muss diese Info dann erstmal verarbeiten und das kann emotional sein – je nach dem, wen du vor dir hast. Wenn du dieser Person dann direkt im Anschluss deine Gründe um die Ohren haust, wird sie dir vermutlich nicht so gut zuhören (können). Zum einen, weil dein Gegenüber die eine Info erstmal verarbeiten muss. Zum anderen – gerade wenn dein/e Gesprächspartner*in emotional reagiert – ist der Zugang für rationale Argumente und Gründe im Gehirn in dem Moment blockiert.

Jeder, der schon mal Liebeskummer hatte, kennt das: Wir sagen „Ich werde nie wieder jemanden finden“ und fühlen das genau so. Für das (plausible) Argument „Ach Quatsch, du weißt genau, dass das nicht stimmt, es gibt viele tolle Menschen da draußen“ sind wir in dem Moment null zugänglich und überhören es einfach. So ähnlich kann es einer Person gehen, der gerade eröffnet wird, dass sie von dir keine Enkel oder Urenkel zu erwarten hat. Wenn das diese Person traurig macht oder enttäuscht, verschließt sie sich erstmal für die Gründe – weil sie vor allem erstmal bei der eigenen Enttäuschung ist. Das klingt egoistisch, ist aber ein Prozess, der in solchen Situationen oft automatisch abläuft.

Mein Tipp: Leite deine Aussage her und stelle deine Gründe voran. Betone das, was du im Leben möchtest, was dir wichtig ist. Stelle die Aussage, dass du keine willst, als eine logische Schlussfolgerung ans Ende. 

Beispiel: „Oma, du weißt ja, dass ich total gerne verreise. Ich träume davon, mindestens drei Monate jedes Jahr unterwegs zu sein – das ist für mich ein absoluter Traum. Das kostet natürlich alles Geld und ich brauche auch einen flexiblen Job, in dem das möglich ist. Deshalb gefällt es mir gerade auch so gut, freiberuflich zu arbeiten und einfach komplett unabhängig zu sein. Das finde ich einfach großartig und ich kann mir nicht vorstellen, anders als so zu leben – weil mich das glücklich macht. Deshalb habe ich übrigens auch keine Kinder und möchte auch keine: Weil das für mich einfach nicht zu dem passt, was ich mir vom Leben wünsche.“

Die eigentliche Botschaft steht hier am Ende und den Gegenüber wird sich erstmal in Ruhe deine Beweggründe, Motive und die Informationen über deine Lebensträume anhören. Das macht es vielleicht nicht weniger enttäuschend zu hören, dass du keine Kinder möchtest – aber die Person hat an dem Punkt hoffentlich zumindest schon mal verstanden und aufgenommen, was DICH glücklich macht und das wird hoffentlich das Verständnis erleichtern. Auch wenn das eine Zeit lang dauern kann.

Natürlich kannst du nie zu hundert Prozent erahnen, wie das Gespräch verläuft und was dir vielleicht entgegenschlägt. Das führt mich zu Frage Nummer drei:

3. Weißt du, wie du mit Unverständnis oder emotionalen Reaktionen umgehen möchtest?

Das Thema hatte ich im ersten Beitrag schon kurz angerissen und ich finde, das ist ein wichtiger Teil der Vorbereitung. Insbesondere dann, wenn du mit mehreren Menschen gleichzeitig das Gespräch suchst und/oder schon auf ablehnende Reaktionen eingestellt bist, weil dein Umfeld z. B. sehr konservativ ist. 

Du solltest eine klare Position haben und eine Haltung, mit der du in das Gespräch gehen willst. Das kann sowas sein wie „Ich habe Verständnis, wenn jemand enttäuscht ist und bleibe ruhig und gelassen“ oder „Ich lasse mich nicht provozieren und werde klar deutlich machen, dass ich mich nicht rechtfertigen möchte.“

Dafür hilft es, sich ein paar klare Sätze zurechtgelegt haben, auf die du in bestimmten Momenten zurückgreifen kannst. Frage dich:Wie reagierst du, wenn du in großer Runde dafür kritisiert wirst/wenn man mich nicht ernst nimmt („das überlegst du dir noch“) oder sonst etwas gesagt wird, auf dass du empfindlich reagierst (du kennst deine wunden Punkte am besten)? 

  • Was tust du, wenn Menschen möchten, dass du dich rechtfertigst?
  • Wie reagierst du, wenn dir jemand Vorwürfe macht oder sehr enttäuscht ist?

Überlege dir dann im Vorfeld ein paar Reaktionen und Sätze, die du in diesen Situationen „ziehen“ kannst:

Ich verstehe, dass du enttäuscht/wütend etc. bist - ich wollte euch das trotzdem mitteilen. Wir können gerne noch einmal darüber reden, wenn ihr die Information ein wenig verdaut habt.
Ich habe dir/euch davon erzählt, weil es mir wichtig ist, dass ihr Bescheid wisst. Ich hoffe aber ihr versteht, dass ich mich dafür nicht rechtfertigen möchte. Wir können jetzt gerne über etwas anderes reden.
Ich verstehe, dass es für euch schwer vorstellbar ist, dass ich keine Kinder möchte. Ich bin mir aber sicher und  bin enttäuscht, wenn ihr mir sagt, ich würde das bereuen. Mir ist es wichtig, dass meine Familie mich so akzeptiert, wie ich bin und meine Entscheidungen ernst nimmt. Ich weiß, dass das vielleicht ein kleiner Schock ist und das Zeit braucht, aber ich bin mir sicher. 

Natürlich kannst du die Situation jederzeit verlassen, wenn es dir zu viel wird oder es ggf. komplett in eine für dich unangenehme Richtung läuft. Auch hier musst du keinen theatralischen Abgang machen – es ist jederzeit möglich, dass du dich kurz entschuldigst, um auf die Toilette zu gehen oder dir etwas zu trinken zu holen und dir so eine Auszeit verschaffst. Bei deiner Rückkehr ist die Stimmung dann vielleicht schon eine andere oder jemand hat längst das Thema gewechselt.

Fazit: Es gibt viele Möglichkeiten, ein gutes Gespräch zu erzeugen – mit ein wenig Vorbereitung

Ich hoffe, ich konnte deutlich machen, was du selbst tun und beeinflussen kannst, wenn du dir vorher ein paar Gedanken über den Gesprächsverlauf machst.

Hast du deinem Umfeld schon davon erzählt, dass du keine Kinder möchtest? Welchen Weg hast du gewählt? Hast du Tipps vielleicht noch weitere Tipps, die dir geholfen haben?