Vor fast genau einem Jahr bin ich aus meinem Angestelltenjob raus. Mein Ziel: Eine Auszeit. Und irgendwie was eigenes. Ich hatte eine grobe Idee, eine Ausbildung als Coach und absolut Bock, mal ein Jahr meine Ruhe zu haben und meine eigenen Sachen zu machen.

Hatte ich eine Ahnung, was auf mich zukommt? Nö. Hatte ich Ziele? Ja. Hab ich die alle erreicht? Nope. War es ein richtig geiles Jahr? Aber hallo! 

Und gelernt habe ich auch noch so einiges. Über mich, andere und das Leben an sich. Und ich glaube, das meiste davon lässt sich nicht nur auf den Kontext “den Job kündigen und was eigenes machen” anwenden – sondern inspiriert vielleicht diejenigen, die gerade mit anderen großen und kleinen Herausforderungen, Entscheidungen und Veränderungen im Leben zu tun haben. 

Der Post besteht aus zwei Teilen. Hier kommen entsprechend meine ersten 5 Lektionen, die ich von 2021 lernen durfte.

1) “Mutig sein” heißt nicht „keine Angst haben“

Der Satz, den ich Ende 2020 nach meiner Kündigung am häufigsten gehört habe, war: “Du bist echt mutig.” Ich gehe davon aus, dass das in einigen Fällen ein Euphemismus war für “Du bist doch komplett bekloppt!”, aber den meisten unterstelle ich mal, dass das sehr aufrichtig gemeint war.

Was viele nicht wissen: Mir ist der Allerwerteste ganz schön auf Grundeis gegangen im Angesicht dieser Veränderung. Und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder dieses Jahr, bei vielen verschiedenen Gelegenheiten und zwar in Dauerschleife. Was ist wenn das nicht klappt? Warum schreibt mir das Finanzamt? Wie jetzt, ich muss meine Produkte auch bewerben? Ich habe öfter die Komfortzone verlassen als jemals zuvor, aber es hat sich gelohnt.

Denn: Ich hatte ein Ziel. Ich wollte unabhängig sein. Was eigenes haben. Ein anderes Leben. Und dafür bin ich losgegangen und zwar nicht, weil ich keine Angst hatte, sondern OBWOHL ich Angst hatte. Am Ende war diese Angst jedoch nicht so groß wie die Angst davor, irgendwann im Altersheim zu sitzen und mir zu denken … “War ein sehr sicheres und vernünftiges Leben. Aber geil war’s nicht.”

2) Mut ist erlernbar und dehnt sich aus

Je mutiger ich bei all diesen kleinen und großen Dingen im Alltag und meiner Gründung sein musste, desto mehr habe ich eins gemerkt: Mut ist erlernbar. Es wird einfacher. Mir ist aufgefallen, dass sich meine neue Souveränität im Umgang mit Problemen auch auf andere Lebensbereiche ausgedehnt hat.

Geschenk vergessen für eine Freundin, die morgen Geburtstag hat? Kein Problem – ich kümmer mich einfach auf dem Weg drum. Komplette Arbeitszimmer Einrichtung ohne Hilfe aufbauen? Mit Youtube geht das schon!

Dinge, die mich früher in eine tagelange Planung, Sinnkrise und ins Aufschieben getrieben hätten, rocke ich mittlerweile einfach mal nebenbei runter und kriege es meistens sogar alleine echt gut hin.

3) Ich kann vieles lernen, muss aber nicht alles können

Mir ist seit Anfang 2021 gefühlt jeden Tag ein neues Gehirn gewachsen. Es gab so viele Dinge, von denen ich noch vor einem Jahr keine Ahnung hatte. Newsletter aufsetzen, Marketing, Angebotskonzeption, Self-Branding, Instagram-Storys, Rechnungen schreiben, Workbooks gestalten – das sind nur einige der Sachen, die ich 2021 zum ersten Mal gemacht habe und ich habe festgestellt – das meiste war weniger kompliziert als ich dachte. Dennoch ist auch der nächste Punkt eine sehr wichtige Erkenntnis gewesen:

Ich muss nicht alles können. Es gibt Dinge, die können andere besser als ich und das ist auch gut so. Buchführung zum Beispiel und Webseiten designen. Klar, das hätte ich auch irgendwie alleine geschafft. Am Ende des Tages ist es jedoch so: Die Zeit, Energie und Nerven, die da reinstecken muss, kann ich auch für wichtigeres nutzen. Insbesondere die Nerven. Wer mich schon mal dabei beobachtet hat, mit welcher Mischung aus Angst und Aggressivität ich Post vom Finanzamt aufmache, versteht gleich, warum ich einen Steuerberater habe.

4) Selbstzweifel sind wie eine Erkältung

Miese Tage mit Selbstzweifeln sind oft sehr anstrengend. Aber sie gehen auch wieder. Oft schon am nächsten Tag. Deshalb ist meine zentrale Erkenntnis: An solchen Tage tue ich so, als sei ich wirklich erkältet und wenn nichts dringendes ansteht, dann geh ich einfach ins Bett oder mache einen Spaziergang. Ich gönne mir Ruhe und Pizza. In dem Wissen, dass es morgen schon wieder gut sein wird. War bisher immer so. 

Was ich noch gelernt habe: Es hilft nicht, diese Tage nach dem Prinzip „Augen zu und durch“ überstehen zu wollen. Es hilft nicht, wenn ich mich in die Arbeit werfe, obwohl ich mich nicht danach fühle oder für die anstehende Aufgabe gerade komplett blockiert bin.

Negative Gefühle mit Netflix zu verdrängen ist auch keine gute Idee. Bei solchen negativen Gefühlen gilt: The only way out is through. Einfach mal aushalten, was da ist. Du wirst merken: Wenn du dich einmal richtig mit einem Gefühl auseinandersetzt, statt es wegzuschieben, wird es irgendwann weniger und dann ist es ok. Verdrängung führt nur dazu, dass sich genau diese Gefühle unterschwellig immer wieder anschleichen.

5) Ein Erfolg ist ein Erfolg ist ein Erfolg. Und ein Grund zu feiern.

Das Jahr 2021 war für mich vor allem eines: Ereignisreich. Ich habe gefühlt jeden Tag Dinge geschafft und getan, die ich noch nie vorher gemacht hatte. Mein Jahr war voller kleiner und großer Erfolge – trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich diese oft gar nicht genügend gewürdigt habe. Dass ich zu oft schon beim nächsten ToDo war, statt mich zu freuen, dass ich eine Sache geschafft hatte.

Wenn ich jemandem erzählt habe, was ich gerade geschafft hatte, bekam ich oft zu hören „Wow, ich hoffe, du hast das ordentlich gefeiert?!“ Und ich dachte mir viel zu oft „Nö, eigentlich nicht.“

Das ist eine Sache, die mir wirklich erst im Rückblick klar geworden ist – wie oft ich mich selber nicht genug gefeiert habe. Deshalb gilt ab jetzt: Auch mal innehalten und mich freuen über das, was ich schon erreicht habe.

Ein erster Schritt dazu ist, dass ich mir jeden Abend am Ende des (Arbeits)Tages meine drei größten Erfolge des Tages notiere. Oft ist es erstmal gar nicht so leicht, da was zu finden. Aber irgendwas findet sich immer. Z. B. auch Dinge wie “mich um meine Belege für die Steuer gekümmert, obwohl ich es eigentlich noch bis morgen aufschieben wollte.”

Das waren meine ersten fünf Erkenntnisse …

… kommende Woche folgt Teil 2. Ich hoffe, du konntest auch für ich ein wenig daraus mitnehmen. Teile gerne auch deine Learnings aus 2021 mit mir – ich bin gespannt!

Falls du dir für 2022 auch eine größere Veränderung vorgenommen hast – z. B. im Job oder in deinem Privatleben oder im Umgang mit dir und anderen – wünsche ich dir dabei jetzt schon viel Freude und vor allem Gelassenheit.

Du wünscht dir Begleitung auf diesem Weg? Dann schau dir gern mal mein entsprechendes Coaching-Paket an und vereinbare gerne direkt schon in 2021 noch einen Kennenlerntermin mit mir.