Neulich habe ich euch bei Instagram gefragt, welche Themen euch rund um das kinderfreie Leben so interessieren. Mehrfach genannt wurden folgende Aspekte: Wie erzähle ich mir nahestehenden Menschen eigentlich, dass ich keine Kinder möchte? Was ist, wenn ich damit jemanden verletze? Wie gehe ich mit den Reaktionen um?

Als ich angefangen habe, darüber nachzudenken, ist mir recht schnell aufgegangen, dass das auf keinen Fall alles in einen Artikel passt – deshalb gibts jetzt also eine kleine Serie zum Thema „Wie sag ich es den anderen?“, die aus zwei Teilen besteht:

Teil 1 (dieser Artikel): Solltest du überhaupt davon erzählen? Was sind gute und vielleicht weniger gute Gründe und Voraussetzungen, das Thema auf den Tisch zu bringen?

Teil 2: Wie gehe ich die Kommunikation an? Welche Frage sollte ich mir am besten VORHER stellen?

Kleiner Disclaimer vorab: Jede*r von euch ist unterschiedlich und hat mit einem unterschiedlichen Umfeld zu tun. Ich kann euch hier also keinen „Fahrplan“ an die Hand geben, wie ihr das ganze am besten angehen solltet. Aber ich möchte euch an paar Denkanstöße und Fragestellungen mit auf den Weg geben, die euch hoffentlich auf eurem Weg ein bisschen helfen.

Also: Lasst uns loslegen und uns erstmal der Frage widmen: (Wann) Sollte ich meiner Familie oder meinem sonstigen nahen Umfeld überhaupt davon erzählen? Und wann lieber (noch) nicht?

Das wichtigste zuerst: Es besteht keine Informationspflicht und du musst überhaupt niemandem davon erzählen, wenn du nicht willst!

Gerade, wer einen enges Verhältnis zu seiner Familie hat, geht oft davon aus, dass damit einher geht, über die „Kinderfrage“ reden zu müssen. Schließlich reden wir ja mit der Familie über die Dinge, die uns beschäftigen. Manche tragen vielleicht unterbewusst den Glaubenssatz mit sich rum, dass Eltern oder Großeltern ein „Anrecht“ auf die Informationen zur Familienplanung haben. 

Du kannst das natürlich halten, wie du möchtest, meine Meinung dazu ist folgende:

Die Information, ob du Kinder möchtest oder nicht ist eine private Information. Du bist nicht verpflichtet, das mit irgendwem zu teilen – auch nicht mit deiner Familie.

Wenn du also gerade darüber nachdenkst, mit deiner Familie darüber zu reden, frage dich bitte zu allererst: Will ich (grundsätzlich oder jetzt gerade) überhaupt darüber reden? Bin ich wirklich bereit dazu?

Um dir ein paar Anregungen mitzugeben, habe ich einige gute und weniger gute Gründe bzw. Voraussetzungen für dich gesammelt. Prüfe gerne, was davon auf dich zutrifft oder ob dir noch weitere Punkte einfallen – am Ende kannst du dann schauen, ob du aus den „richtigen“ Gründen oder Voraussetzungen darüber nachdenkst, mit deiner Familie oder anderen dir nahen Menschen zu reden.

Unter diesen Voraussetzungen solltest du noch einmal darüber nachdenken, ob ein Gespräch angebracht ist:

Du fühlst dich „verpflichtet“, es zu erzählen, aber fühlst dich nicht wohl damit.

Wie gerade oben schon angesprochen: Du bist nicht verpflichtet, darüber zu reden. Frage dich: Will ich das (gerade) wirklich an- bzw. aussprechen? Fühlt es sich gut an? 

Du bist dir noch gar nicht sicher, ob du Kinder möchtest und machst dir ohnehin schon viele Gedanken dazu

Es kann natürlich eine Möglichkeit sein, auch damit offen umzugehen und zu sagen: „Ich weiß es noch nicht.“ Mach dir aber bewusst, dass du auch in dem Fall vermutlich mit Reaktionen konfrontiert wirst. Dass es Menschen gibt, die mitreden wollen und dir sagen werden, „wie toll“ Kinder sind und dir einreden, dass du es bereuen wirst, keine zu bekommen. Frage dich: Möchte ich die Meinung anderer Menschen hören, solange ich mir selbst noch nicht 100%ig sicher bin? Und wenn ja: Möchte ich sie direkt von meiner ganzen Familie hören?

Du fühlst dich seit Monaten oder Jahren unter Druck gesetzt und willst es denen heimzahlen, die dich seit Ewigkeiten damit „nerven“.

Natürlich kannst du bei der nächsten Frage danach also ungefähr so eskalieren: „OK, wenn ihr es unbedingt wissen wollt. Ich will überhaupt keine Kinder und eure Fragerei geht mir übrigens seit M-O-N-A-T-E-N auf den Wecker, also lasst mich gefälligst jetzt damit in Ruhe, es nervt!“ Auch wenn es ein Grund sein kann, dass die vielen Fragen dich belasten, darfst du trotzdem über folgendes nachdenken: Möchte ich das Thema auf diese Weise ansprechen? Was ist mein Beweggrund? Will ich jemanden einfach eins reinwürgen für die viele Fragerei? Bin ich darauf gefasst, dass das vielleicht noch viel mehr Fragen nach sich ziehen kann und kann ich so darauf reagieren, ich mir das von mir selbst wünsche?

Du bist gerade insgesamt in keiner guten Verfassung oder sehr gestresst.

Mach dir bewusst, dass du eine gewisse Energie für ein solches Gespräch aufbringen musst. Wenn du seit Wochen im Job mit stressigen Projekten jonglierst, gerade eine Trennung hinter dir hast oder seit drei Wochen mit Rückenschmerzen rumläufst, dann frage dich: Bin ich gerade in der Verfassung dieses „Fass“ auch noch aufzumachen? Sicher hängt das auch damit zusammen, welche Reaktion du überhaupt erwartest, was mich zum nächsten Punkt führt:

Du befürchtest eine weniger verständnisvolle Reaktion, weißt aber noch gar nicht, wie du dann damit umgehen möchtest.

Mach dir bewusst, dass du auf jeden Fall eine Reaktion bekommen wirst. Oft fällt diese (meiner Erfahrung nach) positiver und verständnisvoller aus als gedacht. Aber gerade, wenn du davon ausgehst, auf weniger Verständnis zu stoßen, Frage dich: Habe ich ein Gefühl dafür, wie ich mit (verständnislosen) Reaktionen umgehen möchte? Nein? Dann überlege dir gut, ob du das Gespräch suchen möchtest (oder schau dir den Hinweis unten zum Thema „Intention“ an).

Bessere Voraussetzungen für das Gespräch und wie du sie erschaffen kannst

Du bist dir deiner Sache sicher und möchtest offen dazu stehen.

Das ist meiner Meinung die Grundvoraussetzung, das Thema anzusprechen. Du solltest es AUS DIR SELBST HERAUS ansprechen wollen – nicht nur, damit die nervigen Fragen von außen aufhören, sondern einfach, weil du dazu stehen möchtest, wie du dein Leben leben möchtest. Formuliere für dich ein klares „Warum“, aus dem du das Thema ansprechen magst und stelle dir auch vor, wie du dich fühlen wirst, wenn du es ausgesprochen hast. Das kann dir dabei helfen, deine Angst vor dem Gespräch zu überwinden.

Du merkst, dass dein Umfeld sich vielleicht „Sorgen“ macht und hast das Gefühl, es wäre sogar eine Erleichterung für sie, Bescheid zu wissen.

Ok, das widerspricht jetzt dem obigen Punkt, weil es „von außen“ kommt. Ich führe es trotzdem auf, weil ich auch diese Perspektive wichtig finde: Es kann sein, dass deine Eltern unter Umständen selbst gar nicht so sehr auf Enkel aus sind, aber sich denken, dass du vielleicht Kinder möchtest. Wenn du schon jenseits der 30 bist und Single, dann denkt deine Familie vielleicht, dass du komplett verzweifelt bist, weil deine biologische Uhr so laut tickt, während du super entspannt und glücklich bist.

Unter diesen Umständen kann es sogar für deine Familie eine Erleichterung sein zu wissen, dass es dir gut geht und du gar keine Kinder möchtest. Gerade, wenn deine Familie das Thema Kinder in deiner Gegenwart aktiv meidet, kann das ein Zeichen dafür sein, dass sie dich „schonen“ wollen und eine klare Ansage vermutlich eine Erleichterung für alle Beteiligten wäre.

Du fühlst dich gerade insgesamt gut und hast genug Energie.

Wenn es dir selbst gerade gut geht, dann strahlst du diese Energie und Zufriedenheit auch aus. Gerade, wenn du befürchtest, dass Menschen deine Entscheidung in Frage stellen könnten, ist das von Vorteil: Wenn du gelöst bist, wirkst du selbstsicherer. Wenn du hingegen andere Dinge mit dir rumträgst, kann es sein, dass du eine gewisse „Schwere“ ausstrahlst. Vielleicht denken Menschen dann „Wenn sie sich so sicher ist, warum wirkt sie dann so gehetzt/traurig/etc.?“ Obwohl du also wegen einer ganz anderen Sache gerade gestresst bist, kann es sein, dass dein Umfeld das anders interpretiert (insbesondere dann, wenn sie gerne glauben würden, dass du es dir nochmal überlegst). Bist du hingegen in einer positiven Grundstimmung, hilft dir das, deine Botschaft selbstsicher rüberzubringen.

Du hast für dich eine klare Haltung formuliert, mit der du in das Gespräch gehen willst.

Diesen Punkt finde ich besonders entscheidend. Stelle dir vorher folgende Fragen: Was möchte ich in dem Gespräch für eine Stimmung ausstrahlen? Wie möchte ich reagieren, wenn mir Unverständnis entgegenschlägt? Welchen Satz möchte ich vielleicht sagen oder was will ich tun, wenn es mir zu viel oder zu emotional wird? Das mag komisch klingen, aber es ist sehr hilfreich, wenn du dir vorher diese Gedanken machst. Dann musst du nicht in der Situation entscheiden, was du jetzt tun sollst, sondern hast schon ein gewisses Skript im Kopf.

Du kannst dir also z. B. vornehmen, dass du gelassen bleiben willst und Verständnis hast, wenn jemand erstmal enttäuscht reagiert. Das heißt nicht, dass du das auch definitiv schaffst – aber glaub mir, die Wahrscheinlichkeit dafür ist höher, wenn du die Intention vorher formuliert hast. Zu diesem Punkt gibt es in Teil 2 noch ausführlichere Tipps und Beispiele. 

Überlege also: Ist schon der richtige Zeitpunkt?

Vielleicht hast du beim Lesen bemerkt, dass vielleicht gerade doch (noch) nicht der Zeitpunkt für ein Gespräch ist  – dass du das Thema vielleicht auch einfach gar nicht ansprechen möchtest. Und wie schon gesagt: Das ist vollkommen ok, denn es geht um dich und dein Leben.

Wenn du aber merkst, dass du das Thema doch ansprechen willst, dann warten im zweiten Teil dieser Reihe ein paar Tipps und Reflexionsfragen auf dich, mit denen du dich auf dieses Gespräch vorbereiten kannst. Im dritten Teil wird es dann konkret darum gehen, wie du auf die „klassischen“ Sprüche möglichst so reagieren kannst, dass du auch danach noch ein gutes Verhältnis zu deiner Familie hast. 😉

Wie gehst du mit dem Thema um? Hast du es schon angesprochen oder bisher nicht? Gibt es weitere Punkte oder Voraussetzungen, die du zu diesem Artikel ergänzen möchtest? Ich freue mich auf deine Gedanken und den Austausch in den Kommentaren!