Vor ein paar Jahren war ich auf der Suche nach Menschen, die sich auch für ein Leben ohne Kinder entschieden haben. Ich wollte mich austauschen, diese Menschen kennenlernen und wissen, wie sie leben, was in ihrem Leben gerade schwierig ist und wie sie damit umgehen. Ich wollte von anderen lernen und mich austauschen. 

Bei meiner Suche bin ich vor allem auf zwei – ziemlich ernüchternde –  Dinge gestoßen:

  1. Einzelne und verstreute Foreneinträge, in denen sich Menschen darüber beklagt haben, dass sie für ihren Entscheidung auf übelste angefeindet werden und
  2. Instagram-Accounts und Co. die sich vor allem darauf spezialisiert haben, Eltern-Bashing zu betreiben. Also deutlich zu machen, wie doof Menschen sind, die Kindern in die Welt setzen und wie viel cooler das eigene Leben doch ist.

Das hat mir folgendes klargemacht: Menschen, die keine Kinder möchten, werden immer noch angefeindet und müssen sich rechtfertigen, was definitiv nicht gut ist. Als Reaktion darauf (?) passiert es aber manchmal auch, dass Eltern wiederum angefeindet werden von denjenigen, die keine Kinder möchten.

Ich habe den Eindruck: Es gibt anscheinend auf beiden Seiten Menschen, die für sich beanspruchen, dass sie den “einzig wahren Lebensweg” gefunden haben und damit sind die anderen automatisch die, die was falsch machen.  

Warum ich solchen Eltern-Bashing-Posts kritisch gegenüberstehe

Ja, natürlich finde ich es auch zum Teil auch lustig, was dort gepostet wird, aber auch da differenziere ich zwischen “anmaßend” und “kritisch”. 

Ich finde es wichtig aufzuzeigen, was mir persönlich schon so an Vorurteilen und “dummen Sprüchen” entgegengeweht ist in den letzten Jahren – immer dann, wenn jemand erfährt, dass es Absicht ist, dass ich keine Kinder habe. Deshalb schreibe ich genau darüber und erkläre, was das mit mir macht und was ich darüber denke.

Um deutlich zu machen, welche absurden Annahmen und überholten Welt- und Frauenbilder zum Teil hinter den Äußerungen stecken. Oder wie Menschen – manchmal auch komplett unbeabsichtigt – mich verletzen mit manchen Aussagen und Annahmen, weil sie einfach nicht drüber nachdenken, dass meine Welt vielleicht einfach aussieht als ihre. Ich äußere mich kritisch gegenüber dem, was ich mir von anderen schon anhören durfte und ich finde es gut und wichtig, wenn das hier und auch auf anderen Seiten passiert.  

Was ich aber nicht mag, ist wenn es in solchen Posts so dargestellt wird, als ob wir kinderfreien Menschen aufgrund unserer Entscheidung den ganzen Tag das “la vida loca” leben und alle Leute mit Kindern die letzten Deppen sind, die sich für ihre Kinder abrackern und keinen Spaß mehr im Leben haben. 

Ein Satz wie “Du versuchst ja nur, deine eigenen unerreichten Träume über deine Kinder zu kompensieren” ist genauso anmaßend und falsch wie “Du hast ja nur noch nicht den richtigen Mann gefunden und deshalb willst du deine Kinder!”  

Kinderfrei leben heißt nicht, dass alles total einfach ist

Abgesehen davon hält sich zumindest in meiner Welt das “la vida loca” doch meistens in Grenzen bzw. ist nicht so ausgeprägt, wie es manchmal dargestellt wird. Ja, natürlich kann ich sonntags ausschlafen. Ich kann Eis zum Frühstück essen, wenn ich will (und ich tue das auch manchmal), ohne dass ich befürchten muss, ein schlechtes Vorbild zu sein. Ich kann  eher mal spontan übers Wochenende ans Meer fahren, wenn ich Bock drauf habe. Wenn ich mal den ganzen Tag verkatert im Bett liege, dann kann ich das ohne schlechtes Gewissen tun, weil niemand drauf angewiesen ist, dass ich aufstehe und mich kümmere (Haustiere hab ich nämlich auch nicht ;)). Das ist schön und diese Freiheit möchte ich auch nicht missen – ein Grund, warum ich so lebe, wie ich lebe.

Aber: Ich mache mir auch Gedanken darüber, wie ich im Alter leben möchte. Wie überhaupt mein Lebensmodell aussieht, wenn ich nicht dem “klassischen” Weg folge. Was meine Entscheidung für meine Freundschaften und Beziehungen bedeutet. Und so weiter.  

Und genau diese Fragen und Unsicherheiten sehen dann wiederum diejenigen nicht, die mir vorwerfen, ich sei ja nur [egoistisch/nicht bei Sinnen/nicht liebesfähig/nicht bindungsfähig – you name it], weil ich keine Kinder möchte. Versteht mich nicht falsch: Ich möchte hier kein “Mimimi” betreiben und so tun, als hätte ich es total schwer. Ich bin sehr glücklich so wie es ist, ich habe viele Herausforderungen gemeistert und bei anderen bin ich noch gespannt, für welchen Weg ich mich schlussendlich entscheide. Was ich aber deutlich machen möchte ist, dass “keine Kinder haben” nicht automatisch heißt, dass alles in meinem Leben easy going und frei von Verantwortung ist. Dass ich nichts entscheiden muss und einfach in den Tag hineinlebe. Und ich denke, damit bin ich nicht alleine. 

Deshalb mag ich auch solche Eltern-Bashing-Posts nicht: Weil sie nicht dazu beitragen, solche Vorurteile abzubauen, sondern sie eher noch verschlimmern. Dabei zeichnen sie zudem auch oft noch ein völlig falsches Bild der Realität und zwar auf beiden Seiten. 

Ich wünsche mir,  dass wir alle verständnisvoller miteinander umgehen. Was meine ich damit:

Lasst uns doch einfach miteinander reden und uns gegenseitig fragen, was uns gerade beschäftigt. Was gerade beim jeweils anderen schwierig ist, was aber auch schön ist. Um voneinander zu lernen und uns besser zu verstehen, statt uns gegenseitig zu unterstellen, dass wir komplett bescheuerte Lebensentscheidungen getroffen haben.

Ich finde, dass könnte zumindest ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Who’s in?