„Du bist die Summe der fünf Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst.“ Na, wer kennt’s? Es geht grundsätzlich darum, dass dich diese fünf Menschen am meisten beeinflussen und deshalb dazu beitragen, wie zufrieden du im Leben bist, wie gut du voran kommst usw. Oft wird dazu geraten, das Umfeld dann aktiv zu verändern und den Kontakt zu Menschen abzubrechen/zu reduzieren, die nach deiner Wahrnehmung nicht gut für dich sind, obwohl du viel Zeit mit ihnen verbringst.

Das ist grundsätzlich nicht falsch – ich glaube aber, dass das oft zu wörtlich interpretiert wird.

Meiner Meinung nach drei wesentliche Faktoren in der Aussage nicht berücksichtigt.

1. Quantität der Zeit ist nicht alles – es kommt auf die Qualität an und darauf, wie intensiv du dich mit diesen Menschen aktiv austauscht

Mal angenommen, du teilst mit einer Kollegin ein Büro auf der Arbeit. Es ist möglich, dass ihr ganzen Tag schweigend nebeneinander sitzt, eure Arbeit macht und nur in der Mittagspause miteinander sprecht. Andererseits kann es aber auch sein, dass ihr gemeinsam an einem Projekt arbeitet, viele Dinge gemeinsam erarbeitet und den ganzen Tag miteinander im Austausch seid.

Im ersteren Fall gehört diese Person also sicher zu den fünf Menschen, mit denen du die meisten Zeit verbringst – da du aber nicht mit der Person interagierst, hat sie vermutlich sehr wenig Einfluss auf dich. Im zweiten Fall sieht das vermutlich schon anders aus.

Die reine Anzahl der Stunden pro Woche reicht also nicht aus, um jemanden zu diesen fünf Personen zu zählen. Es kommt immer drauf an, wie intensiv die Interaktion mit der Person ist.

2. Es gibt Menschen, mit denen du wenig bis keine Zeit verbringst, die aber trotzdem (unterbewusst) einen großen Einfluss auf dich haben können.

Manche Menschen haben bei allem, was sie tun eine ihnen bekannte Person im Kopf und fragen sich „Was würde sie oder er wohl dazu sagen?“ Oft passiert das unterbewusst und dir ist gar nicht klar, dass du dich quasi von einer hypothetischen Reaktion auf deine aktuelle Handlungen beeinflussen lässt. Und oft sind das nicht die Menschen, die aktuell eine große Rolle in unserem Leben spielen.

Das erklärt zum Beispiel, dass manche Menschen auch als Erwachsene immer noch alles tun, um ihre Eltern zu beeindrucken oder sich mit Mitte dreißig immer noch so verhalten, wie sie glauben, dass ihre Eltern es für angemessen halten.

Oder die auch Jahre später noch das Bedürfnis haben, dem/der Ex zu zeigen „was sie alles verpasst hat.“ Oder Menschen, die ihre ganzen Karrierebestrebungen daran ausrichten, auf dem Klassentreffen in 10 Jahren gut dazustehen und es denen zu zeigen, von denen sie gemobbt wurden.

All diesen Dingen ist eins gemeinsam: Es hat überhaupt nichts mit dir und deiner tatsächlichen Situation zu tun und es spiegelt oft nicht mal, wie die andere Person tatsächlich reagieren würde.

Es zeigt aber, dass es Personen in deinem Leben geben kann, mit denen du mental sehr viel Zeit verbringst (ohne es zu merken), obwohl du sie selten oder gar nicht mehr siehst. Einfach, indem du ein Bild von diesen Menschen und deren Erwartungen an dich in deinem Kopf erschaffst.

3. Es lässt dein „digitales“ und „faktisches“ Umfeld außer Acht.

Aktuell ist ziemlich gut sichtbar, was mit Menschen passiert, dich sich in eine Informationsblase begeben, die nur noch sehr wenig mit der Realität zu tun hat. Menschen glauben, dass ihnen Bill Gates über die Impfung einen Mikrochip implantieren möchte und nehmen dann sicherheitshalber lieber Pferdeentwurmungsmittel ein, um sich vor Corona zu schützen. Weil irgendwer bei Telegram gesagt hat, dass das hilft oder so. Meine These: Ohne Internetzugang wäre vielen dieses Abdriften erspart geblieben.

Damit will ich nicht sagen, dass das Internet und Online-Technologien schlecht sind (ich bin durchaus ein Fan, sehe aber einiges daran auch kritisch). Dieses Extrem-Beispiel macht deutlich, dass du nicht nur an dein analoges Umfeld in Form konkreter Menschen denken solltest, sondern eben auch an Menschen, Informationen und Inhalte, mit denen du dich ansonsten umgibst – auch in digitaler oder sonstiger Form.

Das lässt sich nicht nur auf gesellschaftspolitische Phänomene anwenden, sondern auch auf dein Leben. Beispiel von mir: Ich gebe zu, dass ich irgendwie ein Faible für Katastrophen-Dokus und True Crime in jeglicher Form habe. Wenn ich mir aber das ganze Wochenende so ein Zeug reingezogen habe und dann abends noch nen düsteren Krimi lese, dann merke ich deutlich, dass ich 1) mehr Angst habe, 2) insgesamt schlechter gelaunt bin und 3) weniger Ideen und Antrieb habe (denn wir werden ja eh alle sterben).

Andersrum funktioniert das aber auch: Wenn ich meinen Tag mit einem Podcast starte, in dem eine Unternehmensgründerin von ihrem Weg erzählt, dann bin ich direkt viel motivierter. Und wenn ich beim Joggen einen Podcast höre, in dem jemand von einem 100 km Lauf erzählt, dann schaffe ich mit höherer Wahrscheinlichkeit auch, meine 30 min am Stück durchzulaufen.

Mein (und auch dein) Leben ist anders in Abhängigkeit davon, welche Inhalte ich mir online (und offline) den ganzen Tag so reinfahre. Ich sag mal so: Shit in, shit out.

Und ich persönlich glaube, dass das mittlerweile bei so einigen Leuten mehr Einfluss auf die psychische Verfassung und Lebensgestaltung hat, als tatsächliche Kontakte im realen Leben.

Na super, und nu? Fragen zur Bestandsaufnahme

Wenn du den Dingen zustimmst, die ich gerade genannt habe, dann kannst du dir in der Folge diese Fragen hier stellen, um dein eigenes Umfeld umfassend zu hinterfragen:

Was davon möchtest du verändern?

Puh, wenn du bis hier hin durchgehalten hast, dann hast du vielleicht schon einige Denkprozesse angestubst und dir raucht schon ein bisschen der Kopf. Ich empfehle dir, die oben genannten Fragen schriftlich für dich zu beantworten.

Im nächsten Schritt kannst du dich fragen:

Welche drei Dinge möchtest du konkret verändern in den nächsten vier Wochen? Was tust du dafür ganz konkret ab wann?

Frage dich aber auch, woran du den Erfolg dieser Veränderung bemerken kannst:

Woran merkst du konkret, dass diese Veränderung erfolgreich war (fühlst du dich anders? Tust du andere Dinge? Welche genau?) Woran merken das andere Menschen bei dir, dass die Veränderung erfolgreich war (was machst du anders als vorher, was verändert sich)?

Wie du dabei genau vorgehst, dazu werde ich dir in den kommenden zwei Wochen noch mehr Tipps bei Instagram an die Hand geben. Stay tuned!

Zudem nehme ich dich auch gerne in einem meiner 1:1 Coachings mit auf den Weg, genau diese Dinge für dich zu hinterfragen.

Mich interessiert: Welche Erkenntnisse hast du bisher für dich mitgenommen? Was möchtest du gerne in deinem Umfeld verändern in den kommenden vier Wochen?