Diese Frage habe ich mir selber lange nicht gestellt. Ich bin mitgelaufen. Habe das gemacht, was viele machen. Abitur, was mit Medien studieren, Agenturjob, Konzernjob, Geld für Klamotten und Gedöns ausgeben … Und soll ich dir was sagen? Ich war dabei überhaupt nicht unzufrieden.

Nur manchmal gab es diese Momente. Wenn z. B. eine Kollegin den Job kündigte, ohne was Neues zu haben. Und ich mir ganz kurz dachte „Wow, das könnte ich ja vielleicht auch machen? Nochmal ganz neu anfangen? Was anderes machen? Verrückt?“ Oder diese Momente, in denen ich in meiner Wohnung saß und mir dachte …

„Wenn ich könnte, dann würde ich jetzt einfach einen Koffer packen und ganz weit weg abhauen. Irgendwo hin. Raus aus diesem Leben, das einfach nur vergeht. In dem ich arbeiten gehe, was esse, schlafe, im Bus sitze und meine Lebensmittel an der REWE-Kasse von schwer nach leicht sortiere. Raus diesem Leben, für dass ich so eigentlich wahnsinnig dankbar sein sollte. Weil ich so viel mehr habe als viele andere. Weil es mir total egal sein kann, ob die Margarine 20 Cent teurer geworden ist, denn da ist genug Geld auf meinem Konto. Weil ich Freunde habe, eine Wohnung und gesund bin. Raus aus diesem Leben, in dem doch eigentlich alles gut ist? Eigentlich. Aber wohin soll’s denn dann gehen? Raus ist keine Richtung. Scheiße.“

Ich war scheinbar da angekommen, wo alle angeblich hin wollen und es war nicht mal besonders schwer gewesen, dort hin zu kommen. Und wo war ich angekommen? In einem Leben das so war, wie ein schwarzes T-Shirt: Schlicht, bequem und gut kompatibel. Aber eben auch: Absolut kein Highlight. Zumindest in meiner Wahrnehmung. Ein bisschen eng unter den Armen. Und in fünf Jahren sicher absolut nicht mehr tragbar.

Und ich hatte keine Ahnung, wie ich da reingeraten war und wie ich etwas an der Situation verändern sollte.

In diesem Post nehme ich dich deshalb mit auf meine eigene Reise und betrachte mit dir die Fragen: Warum ist es so schwer, zu merken, ob dein Leben zu dir und deiner Persönlichkeit passt? Und wie kannst du vorgehen, wenn du dich der Frage annähern möchtest? Und was machst du, wenn du merkst, dass da gerade einiges in Schieflage ist?

Lass uns loslegen!

Warum siehst du manchmal gar nicht, dass dein Leben nicht zu dir passt?

Es gibt viele Gründe – in meinen Augen gibt es vor allem 3 Faktoren, die dich blind dafür werden lassen, wie gut dein Leben zu dir passt – ich habe sie mal die drei Verhinderer getauft.

  • Gefühlte Undankbarkeit: Vielleicht kennst du das auch – ein Aspekt in deinem Leben läuft gerade nicht so gut – z. B. ist es vielleicht im Job schwierig, weil du dich immer nur langweilst. Oder es gibt in deiner Beziehung dauernd Streit. Gerne schleicht sich dann folgender Gedanke ein: „Anderen geht es viel schlechter!“ Und dann denkst du an die Pflegekräfte, die so schlecht bezahlt werden und so hart arbeiten müssen. An deine Freundin Marie, die gerade nach 10 Jahren von ihrem Mann verlassen wurde. An die Menschen überall auf der Welt, die dankbar wären, wenn sie nur einen einzigen Tag in deinem Leben verbringen könnten. Und schon scheint die Frage „Bin ich eigentlich glücklich?“ sehr dekadent.
  • Geerbte Prinzipien: Darunter verstehe ich all die Dinge und Glaubenssätze, die du von engen Bezugspersonen in deiner Familie und deinem Umfeld schon von klein auf gesagt oder vorgelebt bekommen hast. Diese Prinzipien sind nicht alle schlecht – sondern oft sogar sehr hilfreich. Es sind aber eben auch einige dabei, die vielleicht für deine Eltern und deren Realität gestimmt haben – für dich aber nicht mehr. Diese Prinzipien sind besonders fies. Weil du sie oft von klein auf verinnerlicht hast (als du sie noch nicht hinterfragen konntest, weil dein kleines Hirn dazu schlichtweg noch nicht in der Lage war). Und nun lebst du schon so lange danach, dass du die überhaupt nicht mehr hinterfragst. Sie sind ein Teil deiner Weltsicht, die dein Hirn als Abkürzung z. B. bei Entscheidungen rausholt.
  • Gedöns des Lebens: Das sind die Dinge, die du wahrscheinlich unter dem Begriff „Alltag“, „Verpfichtungen“ oder auch „Zerstreuung“ kennst. Das Gedöns des Lebens führt dazu, dass du die Küche neu streichst, eine Geburtstagsparty organisierst, Mails beantwortest, bei Instagram und Facebook rumdödelst, zum 14. Mal Friends bei Netflix anguckst und das Gefühl hast „Ich komm zu nix und wenn ich mal Zeit habe, dann will ich chillen“. Und alle anderen so: „Ja, das kenn ich auch!“ Also ganz normal und daher unser aller Lieblingsausrede, wenn es darum geht, sich mal das eigene Leben anzugucken und die Frage zu stellen: „Was mach ich da eigentlich den ganzen Tag? Tue ich wirklich was für mich oder lenke ich mich nur ab?“

Ich kenne alle drei Aspekte aus meiner eigenen Geschichte ziemlich gut und um dich mal gleich zu beruhigen: Alle drei Dinge spielen auch heute noch in meinem Leben eine Rolle und kommen immer mal wieder zum Vorschein – und das ist komplett normal und total in Ordnung.

Ganz ehrlich: Ein bisschen über den Tellerrand gucken schadet nicht, wenn du unzufrieden bist – das rückt einige Dinge in Perspektive. Und nicht alle Prinzipien, die wir so geerbt haben, sind schlecht – viele davon haben dich zu dem Menschen gemacht, der du heute bist und auch diejenigen Prinzipien, die du heute hinderlich findest, waren sicher mal hilfreich. Und: Das Gedöns des Leben fällt nun mal eben an und manchmal ist alles, was hilft: Ein Abend auf dem Sofa mit Pommes und Netflix.

Es lohnt sich dennoch, wenn du dich fragst: Wie viel Raum nehmen diese drei „Verhinderer“ ein? Auch wenn du schon in einem Veränderungsprozess steckst und losgegangen bist, wirst du diesen drei Kollegen sicher immer mal wieder begegnen: Nämlich dann, wenn du dich selbst sabotierst, prokrastinierst oder nicht so richtig weiter kommst (glaub mir, ich kenn das ;)). Darüber und wie du damit umgehen kannst, erfährst du auf dem Blog bald noch mehr.

Welche Aspekte sind denn nun wichtig, wenn du dich damit befassen willst, ob dein Leben zu dir passt?

Bei der Frage gibt es ebenfalls drei Aspekte, die du dir anschauen solltest und die die dich als Mensch ausmachen – denn wenn du dir das einmal bewusst gemacht hast, kannst du im Anschluss prüfen, inwiefern dein eigenes Leben oder einzelne Lebensbereiche damit ein Einklang stehen:

Vielleicht hast du dich schon mal mit allen oder einzelnen dieser Aspekte befasst. Vielleicht weißt du aber auch noch gar nicht, wie du dich dir selbst nähern sollst. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, die du für sich genommen machen oder miteinander kombinieren kannst:

  • Beantworte dir die oben genannten Fragen schriftlich: Was fällt dir spontan zu jedem der drei Bereiche ein? Das kannst du entweder einmal in einer längeren Session machen oder du setzt dich über einen längeren Zeitraum mal abends hin und machst dir ein paar Notizen zu deinem Tag mit Hilfe z. B. der folgenden Fragen: Was ist mir heute leicht gefallen? Was hat mich motiviert? Was war schön? Was oder wer hat mich geärgert?
  • Frage Menschen aus deinem Umfeld: Manchmal kostet das Überwindung – aber es lohnt sich. Wie sieht dich dein Partner, deine beste Freundin oder deine Mutter in Bezug auf die einzelnen Aspekte? Frage unbedingt mehrere Menschen, um ein möglichst differenziertes (Fremd)Bild zu bekommen.
  • Mache einen Persönlichkeitstest: Wenn du es ganz genau wissen willst, gibt es mittlerweile eine Reihe Persönlichkeitstest, die genau diese Aspekte wissenschaftlich mittels eines Fragebogens erheben. Wichtig: Kostenlose Internettests gibt es zu Hauf und sie können dir einen ersten Anhaltspunkt bieten. Oft sind sie aber sehr an der Oberfläche und stecken dich ein z. B. eine von vier oder 16 Kategorien. Meine Meinung: Es gibt mehr als 4 oder 16 Typen von Menschen. Dennoch können sie ein guter Start für dich sein. Ich selbst nutze in meinen Coaching den LINC Personality Profiler, der dir eine individuelle, ausführliche Auswertung zu den drei o.g. Aspekten liefert und damit eine sehr gute Basis für viele Entscheidungen oder Veränderungen in deinem Leben bietet (mehr dazu bald auf der Website).

Ich selbst habe seit damals alle drei Optionen genutzt und mich so über die Jahre immer mehr meiner Persönlichkeiten und meinen eigenen Bedürfnissen angenähert. Und das war wahnsinnig aufschlussreich und hat den Grundstein gelegt für alle Veränderungen, die ich in den letzten Monaten und Jahren vorgenommen habe.

Wann immer ich heute etwas entscheide, kann ich darauf zurückgreifen, was ich mittlerweile über mich und meine Persönlichkeit weiß und das hat mir vieles deutlich leichter gemacht.

Und was mache ich, wenn ich mich mit mir befasst habe?

Wenn du dich mit dir selbst befasst hast und einen ersten Eindruck hast, gehts ans Eingemachte: Schaue dir den Status Quo deines Lebens an. Das kannst du z. B. mittels dieser Fragen tun:

  • In welchen Lebensbereichen kannst du deine Stärken nutzen, wo noch nicht? Hast du z. B. einen Job, in dem du das einsetzen kannst, was dir leicht fällt?
  • Wo lebst du nach deinen Werten? Inwiefern? Entspricht z. B. dein Job deinen Werten? Kannst du deine Werte in deinen Freundschaften leben? Teilen die Menschen um dich herum deine Ideen?
  • Fühlt sich das, was du jeden Tag tust, erlebst und mit wem du Zeit verbringst so an, als ob es zu dir und deiner Persönlichkeit passt? Oder tust du immer wieder Dinge, mit denen du dich unwohl fühlst und die für dich anstrengend sind?

Puh – wie gehts weiter, wenn ich merke, dass vieles so gar nicht passt?

Der erste Schritt ist hier ganz einfach: Du gratulierst dir zu dieser Erkenntnis – denn damit bist du schon wesentlich weiter, als viele Menschen jemals im Leben kommen.

Ich selbst habe damals vor allem gute Erfahrungen mit einer Sache gemacht: Erstmal zu akzeptieren, dass es jetzt gerade eben so ist, wie es ist. Und dass das total ok ist und kein Grund zur Panik. Ich habe mir gesagt „Ich bin jetzt auf dem Weg. Und das dauert so lange, wie es eben dauert.“ Mittlerweile glaube ich: Es dauert wahrscheinlich ein ganzes Leben, denn „fertig“ wirst du damit eh nie. Aber ich glaube auch: Mit der Zeit kannst du immer besser werden zu erkennen, was zu dir passt und was eben eher nicht so.

Das ist auch eine wichtige Erkenntnis – wenn nicht die wichtigste:

Wenn du merkst, dass du etwas verändern möchtest, dann geht es darum, erst einmal loszulaufen. Einen Schritt nach dem anderen zu machen. Du wirst leider nicht mit dem Finger schnippen und morgen in einem perfekten Leben aufwachen. Du wirst unterwegs mehr als einmal die Richtung ändern. Und auch mal auf die Fresse fallen. Mehrfach. Aber wenigstens bist du unterwegs und spürst, dass du Fortschritte machst.

Als ich mich auf diesen Weg gemacht habe – vor ungefähr fünf Jahren – habe ich das genauso gemacht. Ich bin losgelaufen. Und seitdem habe ich viele Dinge ausprobiert. Mich einige Male verlaufen und geirrt. Angst gehabt. Bin auf die Klappe gefallen und wieder aufgestanden. Und habe eine ganze Menge gelernt und das hat mich zu einem Leben geführt, in dem ich heute so happy bin wie ich vorher noch nie war.

Wenn du Lust hast, nehme ich dich hier weiterhin mit auf dem Weg und zeige dir, was ich unterwegs gelernt habe. Bei meinem Ausbruch in die Freiheit. Gebe dir ein paar Werkzeuge an die Hand, die es für dich hoffentlich etwas leichter machen als es für mich war. Und wenn du möchtest, begleite ich dich auch ein Stück.

Und jetzt du: Wo in deinem Leben lebst du schon nach deinen Werten und deiner Persönlichkeit? Wo ist vielleicht noch Luft nach oben? Ich freue mich auf deine Kommentare!